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Selbstverständnis der Krav Maga Gruppe des Roten Stern Frankfurt
Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem, das seine Wurzeln in den 1920er- und 1930er-Jahren hat, als jüdische Gemeinden in Europa und dem britische Mandatsgebiet Palästina systematische Selbstverteidigungsmethoden entwickelten. Imrich „Imi“ Lichtenfeld trug intensiv zu dieser Entwicklung bei, indem er in Bratislava Erfahrungen im Straßenkampf gegen antisemitische Angriffe sammelte. Dabei verband er Elemente aus dem Boxen, Ringen, Judo und anderen Kampfsportarten. Nach seiner Flucht 1940 arbeitete er zunächst mit bestehenden Systemen wie „Kapap“ in verschiedenen jüdischen Selbstverteidigiungsorganisationen. Das heutige Krav Maga entwickelte er dann systematisch ab 1948. Lichtenfeld war zwanzig Jahre lang als Chefinstruktor der israelischen Streitkräfte (IDF) tätig und verfeinerte das militärische Nahkampfsystem kontinuierlich. Lichtenfeld begann mit der Anpassung von Krav Maga für zivile Zwecke Mitte der 1960er Jahre. Seitdem haben sich verschiedene Schulen herausgebildet, deren Gemeinsamkeit in einer undogmatischen und auf praktische Anwendbarkeit abzielenden Selbstverteidigung liegt.
Wer sich auf die Suche nach einer Kampfsportgruppe begibt, stellt jedoch auch schnell fest, dass viele Angebote von chauvinistischen, patriarchalen oder militaristischen martialischen Umgangsformen geprägt sind. Hier bieten wir eine emanzipatorische, linke Alternative: Gemeinsam lernen wir Krav Maga, um unsere Selbstverteidigungsfähigkeiten zu stärken – nicht, um andere zu besiegen. Dazu schaffen wir ein möglichst solidarisches und hierarchiefreies Umfeld. Theorie und Praxis unseres Trainings reflektieren wir kontinuierlich und entwickeln sie gemeinsam weiter. Eine grundlegende Voraussetzung für unsere Trainingsgemeinschaft ist daher die Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion – sowohl im individuellen Verhalten als auch im Gruppenzusammenhang. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Lernen. Dabei ist uns nicht nur die körperliche Unversehrtheit wichtig, sondern auch ein respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander. Verurteilende oder verletzende Kommunikation hat bei uns keinen Platz. Neben dem Training treffen wir uns daher auch zu Plena, um sowohl Organisatorisches zu besprechen, als auch bei Bedarf bestehende Konflikte zu lösen. Neben dem gemeinsamen Sport gehört also auch die Organisation der internen Abläufe der Gruppe dazu.
Wir verstehen uns als linke Sportgruppe. Das bedeutet, dass wir auch politisch Position beziehen. Zusätzlich setzen wir uns aktiv für einen diskriminierungsfreien Raum ein – unabhängig von sozialer, kultureller oder geografischer Herkunft, Geschlechtsidentität, Religion, Alter oder sexueller Orientierung. Diskriminierung in Form von Rassismus, Sexismus oder Queerfeindlichkeit wird bei uns nicht geduldet. Wir stellen uns klar gegen Antisemitismus; damit ist auch das Existenzrecht Israels für uns ein gemeinsamer Konsens.
Unser Training verbindet Theorie, Fitness, Technik- und Szenarioarbeit. Geld spielt dabei keine entscheidende Rolle: Die nötige Ausrüstung ist relativ kostengünstig, und bei Anschaffungen oder Gebühren finden wir solidarische Lösungen. Niemand wird ausgeschlossen, weil das Geld knapp ist. Wenn du Interesse an unserer Trainingskultur hast und mit rechten, martialischen oder diskriminierenden Kampfsportangeboten nichts anfangen kannst, melde dich gerne unter kravmaga[at]roterstern-ffm.de für weitere Infos oder zur Teilnahme an einem Probetraining (in der Regel mittwochs um 19:30 Uhr; Wiederholung sonntags um 17:00 Uhr). Die Warteliste wird quotiert geführt. Unser Training wird von einem zertifizierten Trainer geleitet. Wir achten darauf, dass alle respektvoll eingebunden werden – spezielle Vorkenntnisse oder besondere körperliche Voraussetzungen brauchst du nicht.
„Krav Maga, so that one may walk in peace.“ (Imi Lichtenfeld)

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Krav Maga is a self-defence system with roots in the 1920s and 1930s, when Jewish communities in Europe and the British Mandate of Palestine developed systematic methods of self-defence. Imrich „Imi“ Lichtenfeld contributed significantly to this development by gaining street-fighting experience in Bratislava while resisting antisemitic attacks. In doing so, he combined elements of boxing, wrestling, judo, and other martial arts. After his escape in 1940, he initially worked with existing systems such as „Kapap“ within various Jewish self-defence organisations. He then systematically developed what is now Krav Maga from 1948 onwards. Lichtenfeld served for twenty years as the chief instructor of the Israel Defence Forces (IDF), continually refining the military close-combat system. Lichtenfeld began adapting Krav Maga for civilian purposes in the mid-1960s. Since then, various schools have emerged, united by an undogmatic approach aimed at practical applicability in self-defence. Anyone looking for a martial arts group will quickly notice that many offerings are characterised by chauvinistic, patriarchal, or militaristic modes of interaction.
We offer an emancipatory, left-wing alternative: Together we learn Krav Maga to strengthen our self-defence skills—not to defeat others.To that end, we create the most solidarity-based and non-hierarchical environment possible. We continuously reflect on the theory and practice of our training and develop them together. A basic prerequisite for our training community is a willingness for critical self-reflection—both in individual behaviour and within the group. Collective learning is at the centre. We care not only about physical integrity but also about respectful and appreciative interaction. Judgemental or hurtful communication has no place with us. In addition to training, we therefore hold plenary meetings (plena) to discuss organisational matters and, when needed, to resolve existing conflicts. So, alongside training together, organising the group’s internal processes is part of what we do.
We see ourselves as a left-wing sports group. That means we also take political positions. We actively work to create a discrimination-free space—regardless of social, cultural, or geographic background, gender identity, religion, age, or sexual orientation. Discrimination in the form of racism, sexism, or queerphobia is not tolerated. We take a clear stand against antisemitism; this includes a shared consensus on Israel’s right to exist.
Our training combines theory, fitness, technical work, and scenario-based practice. Money does not play a decisive role: The necessary equipment is relatively inexpensive, and for purchases or fees we find solidarity-based solutions. No one is excluded because money is tight.If you are interested in our training culture and have no use for right-wing, militaristic, or discriminatory martial arts offerings, feel free to contact us at kravmaga[at]roterstern-ffm.de for more information or to take part in a trial session (usually Wednesdays at 19:30; repeated Sundays at 17:00). The waiting list is managed on a quota basis.Our training is led by a certified trainer. We make sure everyone is included respectfully—you do not need special prior knowledge or particular physical prerequisites.
„Krav Maga, so that one may walk in peace.“ (Imi Lichtenfeld)
